Epidurale Umflutungen

Umflutungen werden sowohl präsacral, d.h. über eine natürliche Öffnung im Kreuzbein, als auch epidural im Bereich der Lendenwirbelsäule gemacht.
Die Indikation stellt sich bei Bandscheibenvorfällen oder einer Enge im Spinalkanal.

Präsacrale Infiltration (epidurale Umflutung mit Zugang über das Kreuzbein)
Zur Behandlung von Nervenreizungen v.a. der unteren Lendenwirbelsäulenabschnitte eignen sich sakrale Blockaden bzw. sacrale Infiltrationen. Hierbei wird ein Gemisch aus lokalem Betäubungsmittel und Kortison oder einem homöopathischen Medikament über den Sakralkanal (Kreuzbeinkanal) in den Wirbelkanal injiziert. Der Zugang befindet sich im Verlauf des Kreuzbeines oberhalb des bogenförmigen Übergangs zum Steißbein. Man orientiert sich an den anatomischen Landmarken.
Unter sterilen Bedingungen werden dann 20 ml des Medikaments in den Wirbelkanal injiziert. Dort verteilt sich die Flüssigkeit und umspült das Rückenmark und mehrere Nervenwurzeln der unteren Lendenwirbelsäule (LWS). Besonders geeignet ist die Sakrale Infiltration zur Behandlung von Bandscheibenvorfällen und Bandscheibenvorwölbungen der untersten Segmente mit entsprechender Nervenwurzelreizung. Ebenso ist die Umflutung indiziert bei einer Spinalkanalstenose (Verengung des Wirbelkanals) in diesem Bereich, wo mehrere Nervenwurzeln gleichzeitig in das Krankheitsgeschehen eingebunden sein können. Höher gelegene Nervenwurzeln werden aufgrund des Zugangsweges der Medikamentenapplikation nicht mehr in therapeutisch wirksamer Dosis erreicht oder es müssten zu hohe Medikamentenvolumina infiltriert werden (30/40 ml).
Je nach verwendetem Lokalanästhetikum (örtlichem Betäubungsmittel) wird der Patient anschließend aufgefordert, für einige Zeit (1-2 Stunden) zu liegen, da es durch das lokale Betäubungsmittel mitunter zu Gefühlsstörungen und Schwächegefühl in den Beinen kommen kann und dadurch eine Sturzgefahr besteht. Auch besteht die Möglichkeit des spontanen Wasserabgangs (Inkontinenz). Der Patient muss im Vorfeld der Therapie darauf aufmerksam gemacht werden. Nach Abklingen des Betäubungsmittels verschwinden diese Effekte wieder.
Der schmerztherapeutische Effekt ist gut und durch das applizierte Kortison oder homöopathische Medikament auch anhaltend. Manchmal kann es durch die Volumen- und Druckzunahme im Wirbelkanal zu einer vorübergehenden Schmerzzunahme kommen. Als harmlose Nebenwirkung des Kortisons kann eine Gesichtsrötung (Flush) auftreten, die nach einigen Tagen wieder verschwindet. Die sacrale Infiltration kann mehrfach wiederholt werden.

Epidurale Infiltration
Der therapeutische Effekt der epiduralen Infiltration entspricht dem der sacralen Infiltration (s.o.). Es werden die gleichen Medikamente gespritzt. Der hauptsächliche Unterschied ist der Zugangsweg zum Wirbelkanal. Wie bei einer rückenmarksnahen Narkose wird im Bereich der Lendenwirbelsäule die Höhe für die Infiltration festgelegt. Diese orientiert sich an der Höhe der vorliegenden Veränderungen.
Die Infiltration an der Lendenwirbelsäule wird gewöhnlich am sitzenden nach vornüber gebeugten oder seitlich liegendem Patienten durchgeführt. Nach der Hautdesinfektion wird dann unter Tastbefund die Höhe des Zuganges bestimmt und die Infiltrationsnadel in den Wirbelkanal bis vor die harte Rückenmarkshaut (Dura mater) vorgeschoben. Nach Durchstoßen des Wirbelbogenbandes (Ligamentum flavum) kommt es zu einem plötzlichen Abfall des Stempeldrucks der Spritze, woran der Arzt erkennt, dass der Wirbelkanal erreicht ist. Komplikationen muss der Patient gewöhnlich nicht befürchten. Ein Verletzen der Rückenmarksnervenfasern ist nicht zu erwarten, da sich diese hinter der harten Hirnhaut befinden. Im Gegensatz zur sacralen Infiltration ist der Zugangsweg der epiduralen Infiltration variabel. Somit können auch höher gelegene Wirbelsäulenveränderungen mit Nervenwurzelreizung behandelt werden.

Indikationen für präsacrale und epidurale Umflutungen
Zur Entzündung von Rückenmark und Nervenwurzeln kommt es immer dann, wenn der Platz für diese Nervenstrukturen im Wirbelkanal zu klein wird. Bei einer solchen Nervenentzündung handelt es sich um eine nicht bakterielle Entzündung, d.h. Bakterien und Eiter spielen hierbei keine Rolle. Alleinige Ursache ist eine Druckschädigung der Nerven. Als Folge des Entzündungsprozesses schwellen das Rückenmark und die Nervenwurzeln an, wodurch sich der verbliebene Reserveraum für diese Nervenstrukturen weiter verringert. Es entsteht ein Teufelskreis aus: Druckschädigung -> entzündlicher Schwellung -> weiterer Druckschädigung.

Symptome:
Die Entwicklung von Beschwerden richtet sich nach Stärke und Geschwindigkeit der Druckschädigung.
Die Stärke der Druckschädigung: Je stärker der Druck auf die Nervenstrukturen ist, desto größer sind die Beschwerden.
Die Geschwindigkeit der Druckschädigung: Je schneller sich der Druck auf die Nervenstrukturen entwickelt, desto größer sind die Beschwerden. In der Beurteilung von bildgebenden Verfahren (z.B. MRT), in Relation zu den dargebotenen Beschwerden, kann das im Umkehrschluss bedeuten, dass vergleichsweise sehr enge Platzverhältnisse für die Nervenstrukturen wenig Beschwerden verursachen können, wenn diese sich nur langsam genug entwickelt haben. Die Nervenstrukturen hatten hierbei die Möglichkeit zur Anpassung (Adaptation) an die neuen Platzverhältnisse. Wird das Ausmaß der möglichen Anpassung überschritten kommt es zur Dekompensation des Krankheitsbildes. Die Beschwerden werden sich dann akzentuieren (deutlich verstärken).

Zu den Symptomen einer Nervenschädigung zählen:
- lokale Rückenschmerzen
- ausstrahlende Schmerzen in die Beine (Lumboischialgie)
- Reflexausfälle
- Empfindungsstörungen der Haut (z.B. Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheit)
- Kraftverlust oder Lähmungen (Paresen) der Muskuklatur z.B. Verlust der maximalen Gehleistung, müde Beine, Unsicherheit beim Gehen, Fußheber- und Fußsenkerschwäche.

Krankheitsbilder:
Klassische Krankheitsbilder für die Therapie mit einer rückenmarksnahen Infiltrationen sind der Bandscheibenvorfall / Bandscheibenvorwölbung und die Wirbelkanalenge (Spinalkanalstenose).

- Bandscheibenvorfall
Beim Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibenmaterial des Bandscheibenkernes nach hinten in den Wirbelkanal aus und bedrängt das dort befindliche Rückenmark, häufiger noch die abgehenden Nervenwurzeln. Es handelt sich meist um ein plötzliches Ereignis mit starken Rücken-Beinschmerzen (Lumboischialgie; LWS) oder Hals- Armschmerzen (Cervicobrachialgie; HWS), je nachdem wo sich der Bandscheibenvorfall befindet.
Eine Bandscheibenvorwölbung kann in Ausnahmefällen eine ebenfalls so starke Schmerzsymptomatik auslösen, so dass eine Therapie mit einer epiduralen Infiltration sinnvoll erscheint.

-Spinalkanalstenose:
Bei der Spinalkanalstenose sind Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule die Ursache für eine meist langsam zunehmende Wirbelkanalenge. Die Symptome entstehen meistens schleichend. Betroffen ist häufiger die Lendenwirbelsäule. Die Schmerzausbreitung betrifft oft beide Beine. Beklagt werden sehr häufig eine Kraftlosigkeit der Beine und eine zunehmende Unsicherheit beim Gehen.